Nachgefragt bei Franziska Kraft

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Franziska Kraft erritt am vergangenen Wochenende gleich 4 Deutsche Juniorenmeistertitel mit ihrer Stute Leikrun von Hof Osterkamp.

IPZV Nord: Franzi, herzlichen Glückwunsch zu deinen Erfolgen auf der DJIM. Welche Titel hast du im Juniorenbereich gewonnen?

Franzi: Dankeschön. Ich habe auf der diesjährigen DJIM den Speedpass, das Passrennen über 250 Meter, sowie die Fünfgangkombination und die Passkombination gewonnen. In der Passprüfung bin ich zusätzlich noch Vize-Meisterin geworden.

IPZV Nord: Deine Stute Leikrun von Hof Osterkamp – wie lange reitest du sie schon und was macht dieses Pferd für dich so besonders?

Franzi: Leikrun habe ich Ende 2013 gekauft und bin seitdem mehr als glücklich über diese Entscheidung! Leikrun ist eine sehr kooperative und nervenstarke Stute, die durch ihre Leistungsbereitschaft überzeugt. Ich habe so viel von und mit ihr gelernt. Gerade ihre Vielseitigkeit schätze ich besonders an ihr. Mit Leikrun kann ich mich nicht nur stark auf der Passstrecke präsentieren, sondern auch eine gute und gelassene Performance auf der Ovalbahn in der F1 und T2 vorstellen.

IPZV Nord: Zurück zur DJIM – wie hast du das Turnier – trotz Covid 19 – empfunden, welche Prüfung ist für dich besonders wichtig gewesen?

Franzi: Trotz den schwierigen Umständen durch COVID-19 fand ich, dass es eine sehr gelungene DJIM war. Es herrschte eine angenehme Stimmung, welche einen ab und an vergessen ließ, unter welchen Umständen diese DJIM ausgerichtet wurde. Dafür möchte ich mich bei Susanne Brengelmann und dem gesamten Team des IPRV Sandkrug e. V. bedanken.
Für mich persönlich war die wichtigste Prüfung auf diesem Turnier die Passprüfung. Jeder der uns kennt weiß, dass wir im letzten Jahr  ab und an in dieser Prüfung Fehler aufgewiesen haben. Leikrun und ich haben viel an den Bausteinen der Passprüfung gearbeitet und unsere Fehler analysiert und Stück für Stück behoben. Genau das hat uns in dieser Saison schon gut voran gebracht. Wir konnten auf dieser Djim in der PP1 zeigen, dass wir an unserer Kommunikation gearbeitet haben und uns auch technisch verbessern konnten. Auch wenn wir im zweiten Lauf beim Legen Kreuzgalopp hatten, gelang es uns daraus in den Pass zu kommen und trotzdem einen soliden zweiten Lauf zu erzielen. In dieser Prüfung ist es mir immer am wichtigsten, dass Leikrun und ich eine Einheit bilden. Denn für ein Pferd welches auf der Passstrecke auch Rennen bestreitet, ist es oft schwierig dort ruhig und gelassen zu sein. Und genau dies ist uns auf diesem Turnier gelungen.

IPZV Nord: Emotionen und auch reiterliche Nerven gehören zum Islandpferdesport dazu – wie bleibst du gerade beim Passreiten mental „cool“?

Franzi: Jeder einzelne Sprint auf der Passstrecke ist für mich absoluter Nervenkitzel. Für mich ist es also das Wichtigste, dass ich mich vollkommen auf mein Pferd konzentriere und ihr die nötige Ruhe gebe, die wir für die jeweilige Disziplin brauchen. Beispielsweise höre ich während meiner Vorbereitung für die Passdisziplinen — besonders zur Passprüfung — bis kurz vor meinem Start Musik. So kann ich mich nur auf uns konzentrieren und bin entspannter. Ich weiß wie wichtig es ist, dass man mental bei der Prüfung ist und habe auch schon erfahren müssen, wie schnell der eigene Kopf einem einen Strich durch die Rechnung macht. Doch durch diese Erfahrungen habe ich gelernt: Es ist egal was andere von mir und meinem Ritt halten oder welche Erwartungen sie an mich und Leikrun haben. Solange ich mit unserer Leistung zufrieden bin, ist alles in Ordnung. Das ist das Einzige was zählen sollte und genau diese Einstellung hilft mir mental „cool“ zu bleiben — vor und während meiner Passläufe.

IPZV Nord: Du studierst und reitest viel, bist Mitglied in mehreren Leistungsförderungen – wie sieht das tägliche Training bei dir aus?

Franzi: Ja genau, ich bin seit 2017 Mitglied im Kader der jungen Reiter des IPZV und seit 2018 bin ich auch im IPZV NORD Sportkader. Ich studiere in Hamburg Immobilienwirtschaft und nebenbei meine Pferde auf einem guten Leistungsniveau zu halten, ist auch für mich schwieriger als manchmal gedacht. Da ich relativ kurze Wege zur Uni und zum Stall habe, schaffe ich es meine Pferde fünf bis sechs mal in der Woche zu trainieren. An meinem Stall habe ich dafür auch super Trainingsmöglichkeiten, sowie ein gutes Ausreit-Gelände, in dem ich mich für meine Passwettbewerbe fit machen kann. Bei dem Training mit Leikrun ist es mir sehr wichtig einen guten Mix aus Durchlässigkeitsarbeit und Passtraining zu entwickeln. Das ausgewogene Training hilft mir ständig an unseren Problemen zu arbeiten, jedoch auch positive Aufgaben einzubringen, welche uns mehr Spaß machen. So zum Beispiel das Strecken- und Konditionstraining für die 250m Passrennen.

IPZV Nord: Wie sehen deine weiteren Ziele mit Leikrun aus?

Mein Ziel für die nächste Saison beziehungsweise für die kommende Zeit ist es, uns gut und souverän in der Erwachsenenklasse zu präsentieren. Durch eine gute und gezielte Winterarbeit möchte ich unsere Stärken auf der Passbahn und in der Kombinationswertung weiter ausbauen. Weiterhin liegt mein Fokus jedoch auf der Passstrecke. Das Wichtigste ist für mich, dass wir immer weiter in Stresssituation — wie auf Turnieren — zusammenwachsen, aufeinander hören und gemeinsam unser Bestes geben können.

IPZV Nord:
Vielen Dank für das Interview Franzi – wir wünschen dir und Leikrun weiterhin viel Glück & Erfolg!